Riester-Rente 2026: Lohnt sie sich noch?

Rund 16 Millionen Riester-Verträge existieren in Deutschland noch immer. Gleichzeitig werden Jahr für Jahr mehr davon beitragsfrei gestellt oder gekündigt. Das sagt viel aus. Wer 2026 noch einen laufenden Vertrag besitzt oder sich fragt, ob ein Abschluss noch Sinn ergibt, braucht keine Motivationsrede, sondern eine ehrliche Kalkulation.

Was die Riester-Rente ursprünglich versprechen sollte

Die Grundidee war simpel: Der Staat bezuschusst private Altersvorsorge durch Zulagen und Steuervorteile, um die sinkende gesetzliche Rente teilweise aufzufangen. Die Grundzulage liegt seit 2018 bei 175 Euro pro Jahr, für jedes Kind kommen je nach Geburtsjahr 185 oder 300 Euro hinzu. Wer mindestens 4 Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens einzahlt (maximal 2.100 Euro inklusive Zulagen), schöpft den vollen Förderrahmen aus.

Auf dem Papier klingt das attraktiv. Ein Elternteil mit zwei nach 2008 geborenen Kindern erhält allein durch Zulagen 775 Euro jährlich. Bei einem Eigenbeitrag von nur wenigen hundert Euro entsteht damit scheinbar ein gutes Geschäft. Scheinbar.

Die Kostenstruktur: Was Anbieter verschweigen

Riester-Verträge zählen zu den kostenintensivsten Altersvorsorgeprodukten auf dem deutschen Markt. Die Ausgabeaufschläge, laufenden Verwaltungsgebühren, Abschlusskosten und Kosten für die spätere Rentenphase summieren sich auf Beträge, die viele Sparer unterschätzen. Konkret: Bei einem klassischen Rentenversicherungsvertrag mit 30 Jahren Laufzeit und einem monatlichen Eigenbeitrag von 100 Euro können die Gesamtkosten zwischen 3.000 und über 7.000 Euro betragen, je nach Anbieter.

Wer wissen will, womit er es genau zu tun hat, sollte sich die tatsächlichen Effektivkosten ansehen. Eine strukturierte Aufschlüsselung der Kosten einer Riester-Rente zeigt, welche Kostenarten anfallen und wie stark sie die Rendite belasten. Die Differenz zwischen nominaler Verzinsung und tatsächlichem Ertrag ist in vielen Verträgen erheblich.

Besonders kritisch: Viele Verträge verteilen die Abschlusskosten auf die ersten fünf Jahre. Wer in dieser Phase kündigt, verliert überproportional viel. Und wer beitragsfrei stellt, zahlt oft weiterhin Verwaltungsgebühren auf das eingefrorene Kapital.

Wer tatsächlich von Riester profitiert

Es gibt Konstellationen, in denen Riester sich rechnet. Folgende Profile gehören dazu:

  • Familien mit mehreren Kindern: Je mehr Kinderzulagen fließen, desto kleiner wird der nötige Eigenbeitrag. Bei drei Kindern (nach 2008 geboren) übersteigen die Zulagen den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro deutlich.
  • Gutverdiener mit hohem Steuersatz: Der Sonderausgabenabzug von bis zu 2.100 Euro wirkt sich bei einem Grenzsteuersatz von 40 Prozent und mehr spürbar aus. Der Steuervorteil übersteigt dann oft die Zulagen.
  • Beamte ohne gesetzliche Rentenversicherung: Sie erhalten zwar keine Grundzulage, profitieren aber vollständig vom Steuerabzug, sofern sie zulagenberechtigt sind.

Wer dagegen Singles ohne Kinder ist, ein mittleres Einkommen hat und in einen kostenintensiven Fondsvertrag eingezahlt hat, schaut nach 20 Jahren oft in die Röhre. Die Inflation und die Kostenbelastung zehren die Förderung auf.

Beitragsfrei stellen, kündigen oder weitersparen?

Das ist die praktische Frage, die viele Riester-Sparer 2026 beschäftigt. Eine generelle Antwort gibt es nicht, aber es gibt klare Faustregeln:

Beitragsfrei stellen ist oft sinnvoller als kündigen. Das eingezahlte Kapital bleibt erhalten, die staatlichen Zulagen werden nicht zurückgefordert, und der Vertrag läuft weiter, bis das Renteneintrittsalter erreicht ist. Nachteilig: Laufende Kosten fallen weiterhin an, und die Rendite auf das bereits eingezahlte Kapital bleibt oft mager.

Kündigen bedeutet, dass Zulagen und Steuervorteile vollständig zurückgezahlt werden müssen (sogenannte „schädliche Verwendung“). Außerdem fällt Abgeltungsteuer auf die Erträge an. Wer also 8.000 Euro Zulagen erhalten hat und 5.000 Euro Steuererstattungen verbucht hat, gibt bei Kündigung diesen Betrag zurück. Nur wer aus dem Vertrag trotzdem mit positivem Saldo herauskommt, sollte ernsthaft kündigen.

Weitersparen lohnt sich, wenn noch viele Jahre bis zur Rente verbleiben, die Kostenstruktur des Vertrags vertretbar ist und die persönliche Zulagensituation günstig bleibt. Gerade in den letzten zehn Jahren vor Rentenbeginn sinkt das Risiko, und das angesammelte Kapital wird verzinst weitergeführt.

Was sich 2026 ändert und was offen bleibt

Die Diskussion um eine grundlegende Riester-Reform zieht sich seit Jahren hin. Das ursprünglich geplante „Altersvorsorgedepot“ als Nachfolgemodell ist politisch noch nicht in trockenen Tüchern. Wer 2026 auf eine gesetzliche Neustrukturierung wartet, wartet möglicherweise vergeblich oder zumindest zu lange.

Was sich jedoch konkret verändert hat: Die Einkommensgrenzen und Berechnungsgrundlagen für den Mindesteigenbeitrag orientieren sich am Vorjahreseinkommen. Wer sein Einkommen 2025 gesteigert hat, muss 2026 mehr einzahlen, um die volle Zulage zu erhalten. Wer das verpasst, bekommt die Zulage nur anteilig. Das Bundesfinanzministerium hat außerdem angekündigt, die Zulagenprüfverfahren weiter zu digitalisieren, was Fehler bei der Zulagenbeantragung durch automatische Abgleiche häufiger aufdecken wird.

Fazit: Rechnen statt Hoffen

Die Riester-Rente ist kein Auslaufmodell für alle, aber auch kein Selbstläufer. Ob ein bestehender Vertrag behalten, beitragsfrei gestellt oder gekündigt werden sollte, hängt von drei Faktoren ab: der persönlichen Zulagensituation, dem Steuervorteil und den tatsächlichen Vertragskosten. Wer diese drei Größen kennt, kann eine rationale Entscheidung treffen.

Einen neuen Riester-Vertrag 2026 abzuschließen ist nur dann vertretbar, wenn der Anbieter transparent über Kosten informiert, die Effektivkostenquote unter 1,5 Prozent liegt und die persönlichen Fördervoraussetzungen klar erfüllt sind. Ansonsten gibt es mit ETF-Sparplänen und anderen geförderten Produkten inzwischen Alternativen, die weniger Bürokratie verursachen und oft mehr Ertrag liefern.

Stefan Haas

Über Stefan Haas

Redakteur/in

Stefan Haas ist Experte für betriebliche Altersvorsorge und gesetzliche Rentenversicherung. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Rentenberater bringt er komplexe Rententhemen verständlich auf den Punkt.